Samstag, 26. Januar 2019

Des Coachees Prozess: vorher - während - nachher

Mir geht es mit dem Begriff 'Coachingprozess' nie ganz gut. Ok, er stimmt, ist trefflich, wenn man weiß, wovon man redet. Aber nicht-direktives Coaching zu verstehen, ist ohnehin schon schwierig genug, und um bewusst zu machen, wovon ich rede, nämlich vom Coachee, nenne ich es lieber:

Des Coachees Prozess. 


Es ist der Prozess derjenigen, die sich auf eine Veränderung ihrer Lage einlassen. Was es mE nicht ist: Die Wirkung oder Kunst oder das Werk des Coaches. Zuletzt müssen Klientinnen und Klienten mit dem Erreichten selber leben. Daher ist es ihr Prozess.

Wovon ich schreibe, schreibt man im Management der Kontrolle zu. Management besteht - da ebenso Prozesse - aus:

  • P lanung
  • E ntscheidung
  • A nordung bzw. A usführung und eben
  • K ontrolle (Evaluation): vorher - während - nachher
Man ist also eine Weile mit etwas unterwegs, mit einer Lösungssuche, mit einer Lösung, mit einem Bedürfnis, einem Wunsch, einem Ziel oder sogar einer Notwendigkeit. Wie bei einem 'Projekt' gibt es 
  • einen Auftrag
  • eine Zielsetzung
  • Projektleitung (liegt immer bei den Coachees = Aspekt der Verantwortung)
  • ein Budget
  • einen Zeitrahmen
  • möglicherweise eine Strategie
  • vermutlich Maßnahmen
  • und Kontrolle  
Bild: Fotolia, #194473920
Worauf ich hinaus will: Ich glaube, die zentrale Aufgabe eines Coaches liegt darin, Klientel WÄHREND des Prozesses zu begleiten - und nicht, Menschen zu Start und Ziel zu leiten: 
  • Während der Klärung
  • Während der Orientierungsfindung
  • Während der Klärung von Gefühlen und Bedürfnissen
  • Während der Auftragsdefinition
  • Während der Zielformulierung
  • Während dem Überschreiten des Rubikon, dem Auftakt, dem Start
  • Während dem Prozess mit seinen Unterprozessen und Meta-Veränderungen
  • Während dem Wandel
  • Während den Krisen und Rückschlägen, Umwegen und der Müdigkeit
  • Während dem Erreichen des Gewünschten
  • Während dem Sichern des Errungenen
  • Während dem Etablieren des Neuen
  • Während den Spätfolgen der Veränderung
Diesen Gedanken möchte ich zeigen, Es ist mein Empfinden, dass mir zu viele Coachingangebote mit dem Start (Appell, etwas für sich zu tun) oder dem Ziel: Glück, Erfolg, Wohlsein, etc. ... also mit dem Anfang (vorher) und dem Ende (nachher) angeboten werden. 

Wenn Sie sich bewusst einstellen und sich achten, Menschen während ihren Dingen wahrzunehmen, zu sehen, zu beachten, zu fragen, dann werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen, dass Sie damit mehr bewirken, als wenn Sie vom Start bzw. vom (noch nicht geschafften) Ziel reden. 

In meinem Inneren (JJ) bin ich nicht-direktiv: Ich mag niemandem etwas sagen, weder etwas von Coaching noch etwas vom Glück. Wenn der Weg eine Art Ziel ist, wenn Leben 'Leben' ist und nicht 'Ziele erreichen', dann ist das Unterwegssein mE das Maßgebliche. 

Die wahre Entwicklung, des Pudels Kern, das Mystische wie Mirakulöse liegt mE im Werden.


Das wirkt auf den ersten Blick weniger attraktiv, wie wenn man sagen kann: "Nächste Woche fange ich dies oder das an" - und "Letzte Woche habe ich den Volkslauf über 20 Km geschafft". Die wahre Entwicklung, des Pudels Kern, das Mystische wie Mirakulöse liegt mE im Werden. Mag die Geburt noch so gefeiert sein, so auch der Erfolg, was aber dem Menschsein in seiner Haut das Größte, das Tiefste - und wichtig: das Eigenste - sein und bleiben mag, ist sein Wandern, sein Unterwegssein, sein Er'fahren - sein Werden. 

Als Coach, so wäre mir das lieber gesehen und verstanden, ist das "hierzu-dasein-WÄHREND" die zentrale Aufgabe (insofern dafür beauftragt :-)

Ein Trainer des Personzentrierten Ansatzes erzählte aus dem Nähkästchen und zitierte eine persönliche Erfahrung mit einem weiteren Trainer, der zu ihm sprach: "Therefore I'm here with you."


Ich danke für Ihr Interesse.


Jona Jakob, Aschaffenburg
humanness-coaching.de | .ch

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